Städtereise nach Berlin? Alle praktischen und historischen Informationen
Inhalt des Artikels
Geschichte
Die Region um Berlin soll bereits vor Tausenden von Jahren bewohnt gewesen sein. Die Stadt Berlin selbst kennt ihre Entstehung jedoch erst um das Jahr 500. Bis zum 16. Jahrhundert blieb sie ein kleines Handelsstädtchen. Ende des 17. Jahrhunderts begann der Aufschwung, und Händler sowie Künstler wurden hier herzlich empfangen. Dieser Wachstumsschub wurde abrupt durch die Napoleonischen Kriege beendet.
Anfang des 19. Jahrhunderts zeichnete sich eine positive Wende ab, die nach dem Deutsch-Französischen Krieg (1870) in einem explosiven Wachstum mündete. Berlin wurde die Hauptstadt des Deutschen Reiches. Die Stadt entwickelte sich sowohl industriell als auch kulturell zu einer Großmacht. Die politische Geschichte war jedoch deutlich weniger rosig und äußerst turbulent. Die Ausbrüche zweier Weltkriege sind bleibende Erinnerungen daran.
Vor dem Zweiten Weltkrieg hatte Berlin eine bedeutende jüdische Bevölkerung. Von den 170.000 Juden waren bereits viele vor dem Krieg geflohen, doch schätzungsweise 60.000 Berliner Juden starben in den Nazi-Konzentrationslagern. Dies erklärt die zahlreichen Erinnerungen an den Holocaust in der Stadt.
Ende April 1945 wurde Berlin von den Alliierten angegriffen. Während der heftigen Kämpfe zwischen 1,5 Millionen sowjetischen Truppen und den verbleibenden deutschen Soldaten, die meist aus Jungen und älteren Männern bestanden, wurde die Stadt nahezu vollständig zerstört. Am 8. Mai endete der Zweite Weltkrieg in Europa offiziell. Für Berlin bedeutete dies jedoch den Beginn einer äußerst schwierigen Zeit. Wie Deutschland wurde Berlin unter den vier großen Siegermächten des Krieges aufgeteilt: Frankreich, Großbritannien und die Vereinigten Staaten (West-Berlin) einerseits, und die Sowjetunion (Ost-Berlin) andererseits. Das Kriegsende markierte auch den Beginn des Kalten Krieges, der große Folgen für Berlin hatte: Der westliche Teil wurde 1948-49 für 11 Monate vom Rest der Welt abgeschnitten, zumindest über Land. Als Notlösung wurden die Bewohner über die bekannte Luftbrücke zu drei verschiedenen Flughäfen in West-Berlin versorgt: Tegel, Tempelhof und Gatow. Es wurden sogar Wasserflugzeuge eingesetzt, die auf der Havel in West-Berlin landeten. 1949 wurde die Teilung zwischen Ost und West endgültig und Checkpoint Charlie wurde zum Symbol des Kalten Krieges.
Um die Flucht ostdeutscher Bürger nach Westen zu verhindern, begann in der Nacht vom 12. auf den 13. August 1961 der Bau der berüchtigten Mauer. Dieser erfolgte in mehreren Phasen, zunächst mit Stacheldraht, bis hin zum endgültigen Komplex aus zwei Mauern, dem „Niemandsland“ dazwischen und zahlreichen Wachtürmen. Die Mauer war etwa 180 Kilometer lang. Familien wurden getrennt, Menschen, die in einem anderen Teil arbeiteten als dem, in dem sie wohnten, mussten nach einer neuen Stelle suchen. Erst ab 1972 war es sporadisch möglich, die Grenze zwischen Ost- und West-Berlin zu überqueren, allerdings nur vom Westen nach Osten.
Am 9. November 1989, dem Tag, an dem die Mauer „fiel“, wurde die Grenze vollständig geöffnet, und am 3. Oktober 1990 wurde Deutschland offiziell wieder zu einem großen Land. Diese bedeutenden Ereignisse brachten Berlin viele positive Veränderungen. Die Stadt wurde erneut Hauptstadt der wiedervereinigten Bundesrepublik Deutschland, und 1991 wurde nach langwieriger Diskussion im Parlament beschlossen, auch die meisten Regierungsbehörden von Bonn nach Berlin zu verlegen.
In den 1990er Jahren wurden umfangreiche Bauprojekte realisiert. Der Potsdamer Platz mit dem Sony Center ist ein Symbol dafür. Zudem entstanden in der Nähe des Reichstags moderne Regierungsgebäude, darunter das Kanzleramt, in dem heute der Bundeskanzler residiert.
Geografie
Berlin liegt im Nordosten Deutschlands. Dieses Gebiet befindet sich in der Norddeutschen Tiefebene, was bedeutet, dass es in der Stadt kaum nennenswerte Höhenunterschiede gibt.
Mit einer Fläche von 892 km² ist Berlin sehr ausgedehnt; die Fläche ist neunmal so groß wie die von Paris! Es ist außerdem eine sehr grüne Stadt: etwa ein Drittel dieser Fläche besteht aus Parks, Seen, Flüssen und Wäldern.
Der Spree-Fluss fließt seine letzten Kilometer durch Berlin, bevor er in die Havel im Bezirk Spandau in West-Berlin mündet.
Berlin
Berlin hat ein gemäßigtes Kontinentalklima und ist das ganze Jahr über besuchbar. Die wärmsten Monate sind Juli und August mit einer Durchschnittstemperatur von 24 °C. In den Wintermonaten liegt die Durchschnittstemperatur nur wenige Grad über dem Gefrierpunkt, und es kann kälter sein als in Belgien.
Wenn Sie Berlin unter einer weißen Schneedecke besuchen möchten, planen Sie eine Reise zwischen Dezember und März, wenn die Schneewahrscheinlichkeit am höchsten ist.
Bevölkerung
Mit seinen 3,6 Millionen Einwohnern ist Berlin mit Abstand die größte Stadt Berlins. Die Bevölkerung Berlins zeichnet sich auch durch ihre Vielfalt aus. Mehr als 600.000 Einwohner besitzen eine ausländische Staatsangehörigkeit. Am stärksten vertreten sind die Türken; in Berlin findet man die größte türkische Gemeinschaft außerhalb der Türkei. Zudem gibt es eine relativ große vietnamesische Gemeinschaft. Sie kamen als Einwanderer aus dem „befreundeten“ kommunistischen Vietnam nach Ost-Berlin.
Veranstaltungen und Festivals in Berlin
Berlin ist kulturell eine äußerst reiche Stadt, in der für jeden etwas dabei ist.
Musikfestivals
Neben zahlreichen Konzerten in Konzertsälen können Musikliebhaber aus einer Vielzahl von Festivals wählen, wie dem Citadel Music Festival (auf der Zitadelle in Spandau), Lollapalooza Berlin (die europäische Ausgabe des amerikanischen Festivals), Berlin Jazz Festival, Fête de la Musique (ein in Frankreich entstandenes Festival mit unplugged Auftritten auf Plätzen, Straßen und in Parks).
Museen und Kunst
Berlin war im Jahr 1997 die erste Stadt, die die „Lange Nacht der Museen“ veranstaltete. Noch heute kann man dort jährlich an einem Abend/Nacht mit nur einem Ticket 77 Museen besuchen, darunter die Topographie des Terrors, das Pergamonmuseum und das Museum für Naturkunde. Ein absolutes Muss für Kunstliebhaber, die einige der besten Museen auf unkonventionelle Weise entdecken möchten.
Für Kunstinteressierte ist die Berlin Biennale stets ein Highlight. Diese Ausstellung für zeitgenössische Kunst findet seit 1998 alle zwei bis drei Jahre an verschiedenen Orten statt.
Sportliches Berlin
Wenn Sie Marathons lieben und Berlin auf eine alternative Art erleben möchten, ist der Berlin-Marathon eine gute Wahl. Mit mehr als 40.000 Teilnehmern ist dieser Marathon mit Start und Ziel am Brandenburger Tor einer der größten Straßenläufe der Welt.
Wenn Sie lieber Rollschuhe anstelle von Laufschuhen tragen, können Sie den Marathon auch skatend absolvieren. Dieses Event wurde übrigens bereits mehrfach von einem Landsmann, Bart Swings, gewonnen. Der Marathon findet jedes Jahr im September statt.
Filmfestival
Für Filmfans ist Berlin im Februar für zehn Tage die Hauptstadt des Films. Dann finden die „Internationalen Filmfestspiele Berlin“ statt, besser bekannt als Berlinale, bei der auch stets die goldene und die silberne Bären vergeben werden. Neben dem Treffen mit internationalen Filmstars können Sie auch einen der 400 Filme sehen.
Musik, Film und Literatur
Musik
Berlin hat musikalisch einen großen Einfluss ausgeübt und diente als Inspirationsquelle für zahlreiche Werke, vor allem während der Zeit von West- und Ost-Berlin. 1973 veröffentlichte Lou Reed sein drittes Studioalbum, Berlin, obwohl die Aufnahmen in New York und London stattfanden.
Andere zeitlose Alben wurden jedoch in Berlin aufgenommen. Denken Sie an Lust for Life von Iggy Pop aus dem Jahr 1977 und die Berlin Trilogy (Low, Heroes und Lodger) von David Bowie aus den Jahren 1977 und 1979. Zu Ehren dieses letzten Albums wurde im August 2016 eine Gedenktafel am Haus enthüllt, in dem David Bowie und Iggy Pop eine Zeit lang zusammenlebten.
Das 1991 erschienene Album Achtung Baby von U2 wurde in eben jener Hansa Tonstudio aufgenommen und ist unter anderem durch die damals sehr aktuelle deutsche Wiedervereinigung inspiriert.
In den 1990er Jahren wurde Dance- und Technomusik in Deutschland äußerst populär. Viele der damals in Berlin entstandenen Nachtclubs gibt es noch heute. In diesem Zusammenhang entstand die Love Parade. Die erste Parade fand im Juli 1989 mit 150 Teilnehmern statt, doch das Festival entwickelte sich rasch zu einem riesigen Ereignis mit mehreren Trucks, die hauptsächlich House, Trance und Techno spielten. Im Höhepunkt im Jahr 1999 zählte man sogar 1,5 Millionen Besucher. Viele andere Städte wie Rotterdam, Wien, Sydney, Budapest oder Sarajevo organisierten Ableger. Am 24. Juli 2010 kam es bei der Love Parade in Duisburg zu einer Katastrophe: In einem Tunnel zum Festivalgelände brach Panik aus, bei der viele Menschen zerquetscht wurden. 21 Menschen kamen ums Leben, Hunderte wurden verletzt. Damit endete die Love Parade weltweit.
Film
Berlin ist ein bedeutendes Zentrum für die deutsche und europäische Filmindustrie. Jährlich werden rund 300 Produktionen in und um Berlin gedreht. Es handelt sich nicht nur um amerikanische Blockbuster, sondern auch um zahlreiche deutsche Filme, die bereits wichtige Filmpreise gewonnen haben. Zudem bietet die reiche jüngere Geschichte Berlins eine hervorragende Quelle für viele Drehbücher. Denken Sie beispielsweise an The Bourne Supremacy oder Bridge of Spies.
Literatur
Wie bei Musik und Film spielt Berlin auch in der Literatur eine wichtige Rolle, sei es als Schauplatz der Geschichte oder als einer der Charaktere. So gibt es zum Beispiel Berlin Alexanderplatz von Alfred Döblin und Stasiland von Anna Funder.
Besondere Fakten
- Das Symbol Berlins ist der Bär, und man findet ihn an vielen Orten und Souvenirs. Auch die Preise des Berliner Filmfestivals, der Gold- und Silberbär, beziehen sich darauf. Es gibt keinen eindeutigen Grund, warum der Bär das Stadtwappen ist. Möglicherweise liegt die Herkunft darin, dass das deutsche Wort für das Tier, „Bär“, dem ersten Teil des Stadtnamens ähnelt. Der Bär tauchte bereits auf einem Siegel im Jahr 1280 auf.
- Wenn Sie als Fußgänger schon einmal an einer Ampel in Berlin gestanden haben, kennen Sie ihn: den grünen laufenden Mann (der Geher) und den roten stehenden Mann (der Steher). Das Mannchen (Ampelmann) entstand 1961 in Ostdeutschland und wurde von einem Verkehrspsychologen entworfen. Als vor einigen Jahren über eine Anpassung der Ampeln diskutiert wurde, führte dies zu einer Welle des Protests. Der Ampelmann ist zu einem echten Berliner Symbol geworden und ist auf vielen T-Shirts, Taschen, Magneten und mehr zu finden.
- In Berlin gibt es etwa 1.700 Brücken. Das sind mehr als in Venedig!
- Die ersten Ampeln Europas wurden 1924 am Potsdamer Platz in Berlin in Betrieb genommen.
- In Berlin gibt es 175 Museen. Das ist mehr als die Anzahl der jährlichen Regentage!
Wo in Berlin übernachten?
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